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Werner Pfenninger 1983 in der Schweiz.

Insbesondere mit den Flugzeugen Elfe PM 3 und Elfe M konstruierte er zwei Segler, die ihrer Zeit um viele Jahre voraus waren.

 

Unser besonderer Dank gilt Hans Gysi aus Winterthur, der unsere Internet-Texte über die

Elfen redigierte und mit Textbeiträgen und Bildern maßgeblich zu einer Vervollständigung

der Darstellung des Lebenswerks von Werner Pfenninger beitrug.  

Den nachfolgenden Text veröffentlichte Hans Gysi bereits 1989 in der Schweizer Aero

Revue. Aufgrund neuer Erkenntnisse hat er den Beitrag überarbeitet, ergänzt und

uns für eine Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.

 

Werner Pfenninger (1913 – 2003)
Geistiger Vater
wegweisender
Konstruktionen

Am 4. März 1939, also vor genau 70 Jahren, startete die erste Elfe zum Jungfernflug. Es war die Elfe P1, Nr. 278

(das HB wurde erst viel später eingeführt) mit nur 9 m Spannweite und 43 kg Gewicht. Der Bescheidenheit Werner

Pfenningers, des Vaters der Elfe, ist es wohl zuzuschreiben, dass seine großen Verdienste in der Entwicklung von

Segelflugzeugen lange nur in eingeweihten Segelfliegerkreisen gewürdigt wurden.

In Gesprächen über die Pfenninger-Elfen werden von vielen Segelfliegern auch heute noch Typenbezeichnungen

verwendet, die nachweisbar falsch sind und trotzdem über Jahrzehnte hinweg gebraucht wurden und in vielen

Publikationen ihren Niederschlag fanden. Das liegt wohl auch daran, dass das Werner Pfenninger, als Wissen­

schaftler durch und durch, schlicht nicht interessierte. Der Absturz einer seiner bahnbrechendsten Konstruktionen

führte dazu, dass er das Thema Segelflug jahrzehntelang ausklammerte. Erst die Tatsache, dass seine Arbeiten mehr

und mehr anerkannt wurden, hatte zur Folge, dass die Segelfliegerei nicht mehr tabu war. Die Verleihung der

OSTIV-Plaque 1985 mit Klemperer-Preis anlässlich der Segelflug-WM in Rieti, Italien, und des Ehrendoktortitels

der ETH Zürich würdigten seine bahnbrechenden Arbeiten. In vielen Gesprächen mit ihm erfuhr ich endlich viele Details,

aus denen auch klar wurde, dass er die Entwicklung des modernen Segelflugzeugbaus in all den Jahren genau verfolgt hatte.

 

Zur Nomenklatur

Um Ordnung in die Typenbezeichnungen zu bringen, verwende ich die unten erläuterten Namen:

Auf dem von Werner Pfenninger selbst gezeichneten Übersichtsplan steht „P1 Elfe“. In Analogie mit den späteren

Flugzeugen brauche ich den Namen „Elfe P1“.


Im Bordbuch der Nr. 402 steht „Elfe 2“. Das P für Pfenninger wird nicht mehr verwendet. Der Titel eines Projektblattes

heißt „Elfe 3, Abänderungen und Verstärkungen“. Eine mit Bleistift gezeichnete Skizze des Flügelquerschnitts enthält

Angaben in Werner Pfenningers Handschrift. Der Name PM 1 mit der Nummer 516 fand sich im Verzeichnis des damaligen

Eidgenössischen Luftamts im Bundeshaus Inselgasse in Bern. Dieses Flugzeug wurde schon damals meistens Elfe 2 genannt.

Da dieser Name für die Nr. 402 reserviert ist, ist die Typenbezeichnung „Elfe PM 1“ folgerichtig und weist zudem auf die Ver­

wandtschaft mit den nachfolgenden Flugzeugen hin, die alle die gleichen Laminarprofile von Werner Pfenninger aus dem

Jahr 1943 besitzen.

Die Umkonstruktion der Elfe PM 1 zur Serienproduktion wurde auf dem Projektbeschrieb vom Januar 1949 von Albert

Markwalder Elfe 2 genannt. Logischerweise sollte für dieses Projekt der Name „Elfe PM 2“ verwendet werden.

Mit einigen Änderungen versehen wurde dann die „Elfe PM 3“ gebaut. Diese im Luftamt-Verzeichnis und in allen

Publikationen verwendete Typenbezeichnung ist die folgerichtige Fortführung der obigen Nomenklatur.

Das im weitesten Sinn letzte Segelflugzeug Werner Pfenningers ist die „Elfe M“. Der in einem Dokument verwendete Name

„Elfe M 3“ verrät die Verwandtschaft mit dem Vorläufer PM 3.

 

Elfe P1

 

 

Wie alle Pfenninger-Elfen besitzt schon die Elfe P1, Nr. 278, den charakteristischen Flügelgrundriss, wie er beim Discus wieder aufgetaucht ist. Ein anderes gemeinsames Merkmal sind die über die gesamte Spannweite reichenden Querruder,

denen die Funktion von Wölbklappen überlagert ist. In die Zukunft wies auch eine für die damalige Zeit hohe Flächenbelastung, die es erlaubte, die beste Gleitzahl bei einer höheren Geschwindigkeit zu erreichen. Die von Werner Pfenninger selber entwickelten, sehr dünnen Flügelprofile haben eine Dicke von 12,5%.

Der aerodynamisch sorgfältig durchgebildete Rumpf mit eingestrakter Haube ist mit seiner niederen Bauhöhe widerstandsarm.

Der abgestrebte Flügel ist als sogenannter Junkers-Doppelflügel ausgeführt; das heißt, die Querruder-Wölbklappen sind an vier

verlängerten Eschenholzrippen etwa 3 cm unter der Profilsehne befestigt. Das von Rudolf Sägesser gebaute, extrem wendige

Flugzeug mit etwas beschränkten Sichtverhältnissen war allerdings nur für routinierte Piloten bestimmt! Dank der ausgeklügelten

Aerodynamik besaß es trotzdem ein gutmütiges Überziehverhalten und war sehr schwer ins Trudeln zu bringen. Seit 1998 bin ich

stolzer Besitzer der kleinen Urelfe meines Onkels Werner Pfenninger.

Elfe 2

Eine von den Gebrüdern Eugen und Erwin Suter aus Grafstal bei Winterthur gebaute Variante der Elfe P1 erhielt 10,60 m

Spannweite und heißt laut Bordbuch Elfe 2. Das oft 11 m-Elfe genannte Flugzeug mit dem Kennzeichen 402 konnte mit

seinem von 12 auf 14,1 angewachsenen Seitenverhältnis mühelos mit viel größeren Flugzeugen seiner Zeit (1945) mithalten

und wurde von Werner Pfenninger gerne geflogen. Es wurde vom bekannten Schweizer Segelflieger Hans-Peter Baumann

1976 in Aachen aufgespürt und gehört heute Jürg Suter, dem Sohn von Erwin Suter.

Elfe PM 1

Das Flugzeug hatte eine Spannweite von 15.40 m. Es war die erste Elfe mit Pfenninger-Laminarprofil und die erste Zusamen-

arbeit mit Albert Markwalder.

Das Flugzeug wurde am 10.02.1948 in das Schweiz. Luftfahrzeug- und Abzeichenregister eingetragen. Allerdings nach einem

Absturz bereits wieder am 08.03.1948 gelöscht.

 

Elfe PM 3

Die im Auftrag von Max Schachenmann gebaute Elfe PM 3, HB-526 (unterdessen wurde in der Immatrikulation das HB

verwendet) entspricht mit seiner Spannweite von 16 m, einem Seitenverhältnis von 21,4 und dem mit einem Einziehfahrwerk

vorgesehenen, nicht mehr so stark eingeschnürten Rumpf ungefähr der geplanten Serienversion Elfe PM 2. Weil man bei einer

eingestrakten Haube schlechte Sichtverhältnisse befürchtete, wurde diese auf Verlangen in Abänderung der pfenningerschen

Grundkonzeption abgesetzt. Ebenso traute man dem beim Bau der Elfe PM 1 verwendeten Balsaholz in der Sandwich-Bauweise

nicht mehr und verwendete stattdessen Tannenholz als Stützstoff, obwohl Karl Huber und seine Leute bewiesen hatten, dass sie

die ausgeführte Bauweise (Balsa, beidseitig mit Sperrholz beplankt) beherrschten. Werner Pfenninger war in punkto Bauaus-

führung und Oberflächengüte ein äußerst pedantischer Mensch und hatte bei der Elfe PM 1 zweifellos ein wachsames Auge

auf den Bau geworfen.

 

Das neue Flugzeug, dessen Gewicht sich von den ursprünglich geplanten 140 kg auf 310 kg erhöhte, hatte für heutige Verhältnisse eine recht ideale Flächenbelastung von 33,6 kg/m² , war aber für die damalige Zeit (Baujahr 1954) viel zu schwer und wurde mit etwas spöttischem Unterton auch Super-Elfe genannt. Das bei HUSCH begonnene Flugzeug war von R. Sägesser, dem Erbauer der Elfe P1, fertig gestellt worden und ging mit René Comte an eine nationale Meisterschaft in die USA, wobei es bald beschädigt wurde.

Graham McLean aus England entdeckte das viele Jahre nicht mehr geflogene Flugzeug in Wisconsin und kaufte es.

Während der mehrere Jahre dauernden Grundüberholung verschiffte er es in einem Container nach England, wo die

Arbeiten abgeschlossen werden konnten. Die Elfe PM 3 sieht wie neu aus und ist nun die älteste flugtüchtige Pfenninger-Elfe.

 

Elfe M

Aus Enttäuschung über die schwere, mit einem Tragwerk in Schalenbau-weise erstellte Elfe PM 3 entschloss sich Albert Markwalder, die Kon-struktionsarbeit in konventioneller Bauweise nochmals auf sich zu nehmen. Neben seiner Arbeit bei Sulzer in Winterthur entstanden so vorwiegend in Nachtarbeit die Pläne und Berechnungen für die Elfe M. Auf Wunsch von Werner Pfenninger, der am 14. Dezember 1948 in die USA ausgewandert war, erhielt der Flügel erstmals eine V-Form und die Spannweite wurde auf 17,50 m vergrößert. Bei einem Seitenverhältnis von 23,2 wurde die beste Gleitzahl von 44 bei 100 km/h erreicht. Den Erstflug führte der Erbauer Albert Neukom am 14. Juni 1956, eine Woche vor Beginn der WM, auf dem Belpmoos durch. Er endete in einem hüfthohen Getreidefeld, nachdem Neukom den ganzen Flugplatz überflogen hatte. Der gute Gleitwinkel hatte ihm offensichtlich ein Schnippchen geschlagen, war dieElfe M doch damals eines der besten Segelflugzeuge.

 

Die Elfe M ist seit 1977 im Eigentum meines Bruders

Karl und mir und sieht nach einer Grundüberholung im Winter 1985/86 immer noch wie neu aus und fliegt

auch entsprechend.

Die Elfe PM 3 und die Elfe M sind die einzigen noch flugtüchtigen Pfenninger-Elfen. Sie haben eine abge-schlossene Musterprüfung, wobei einige Teile der

beiden Flugzeuge identisch sind. Das betrifft vor allem Teile des Rumpfes und der Leitwerke.

Elfe M vor dem Erstflug am 14.06.1956 in Bern.

Beim Bau der Elfe M müssen vier Namen genannt werden: Albert Markwalder war der Konstrukteur, ohne den das Flugzeug nie entstanden wäre. Albert Neukom war der Erbauer und Besitzer, wobei der Zusammenbau des Flügels und die beschleunigte Fertigstellung in der Flugtechnischen Zentrale in Bern unter W. Frei erfolgte, um den Einsatz an der

WM 1956 in St. Yan (F) sicher zu stellen. Werner Pfenninger war für die Profile, die unverändert von der Elfe PM 1 übernommen wurden, und die Gesamt-konzeption zuständig, kann also als geistiger Vater der

Maschine bezeichnet werden.

Damit endete die direkte Mitarbeit Werner Pfenningers an der Entwicklung der von ihm stammenden Elfe.

                                                                                        Elfe M bei der Weltmeisterschaft 1960 in Köln

23.7.2009 / © Hans Gysi

Systematisierung der Pfenninger-Elfen durch Hans Gysi / 21.06.2009

Registr.
Name

Spann-

weite

Gewicht

Jahr-

gang

Bau durch
Sonstiges
Nr. 278
Elfe P 1
9,00 m
43 kg
1939
R. Sägesser
Eigentümer: H. Gysi, Winterthur; Ur-Elfe
Nr. 402
Elfe 2
10,60 m
65 kg
1944
Gebr. Suter und Isler

Eigentümer: Jürg Suter, Pfäffikon, CH; oft 11-Meter-Elfe genannt. Erstflug am 28.03.1945 durch Willy Baur in Birrfeld.

Elfe 3
11,20 m
nur Projekt, nicht gebaut; gleiches Aussehen wie Elfe P 1 und Elfe2
Nr. 516
Elfe PM 1
15,40 m
110 kg
1948

HUSCH

(Huber und Schmid)

Gleitzahl 43:1; Absturz am 11.02.1948. Erste Elfe mit Pfenninger-Laminarprofilen; oft Elfe 2 genannt, was aber falsch ist. Laut dem Bordbuch ist die Nr. 402 die Elfe 2. Erste Zusammenarbeit Werner Pfenningers mit Albert Markwalder.
Elfe PM 2
16,00 m
140 kg
1949
nur Projekt, nicht gebaut; geplante Serienversion des Prototypen mit weniger schlankem Rumpf, d. h. weniger aufwendiger Bau; Einziehfahrwerk; eingestrakte Haube; Haubenteilung vorne.
HB-526
Elfe PM 3
16,00 m
310 kg
1954
HUSCH und Sägesser
Eigentümer: Graham Mc.Lean, England. Genannt Super-Elfe wegen des für damalige Verhältnisse hohen Gewichts. Ursprünglich geplant mit Einziehfahrwerk; gebaut mit festem Rad; Einbau eines Einziehfahrwerks durch McLean; abgesetzte Haube auf Wunsch von Max Schachenmann; ursprünglich mit eingestrakter Haube geplant; Haube hinten geteilt.
Elfe PM 3
16,00 m
140 kg
Nur Rumpfbau durch HUSCH; durch Werkstattbrand 1973 zerstört; Einziehfahrwerk; eingestrakte Haube; geneigtes Seienleitwerk; Haube hinten geteilt.
HB-534
Elfe M
17,50 m
306 kg
1956
Albert Neukom und Flugteschnische Zentrale Bern
Eigentümer: Gebr. Gysi, Winterthur. Flugzeug wird auf einem Dokument auch Elfe M 3 genannt. Landekufe mit abwerfbarem Fahrwerk; eingestrakte Haube; geneigtes Seitenleitwerk.