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Stand: 08.04.2019


Sie sind hier: Original-Oldtimerszene - Moswey - Moswey 4

                                

                  

 

  Moswey 4 Moswey 4a
Spannweite: 14,40 m 15,90 m
Flächeninhalt: 13,9 m² 14,7 m²
Flügelstreckung: 14,95 17,2
Länge: 6,35 m 6,35 m
Höhe: 1,15 m 1,15 m
Leergewicht: 180 kg 180 kg
Fluggewicht:  max. 313 kg max. 315 kg
Flächenbelastung max.: 22,5 kg/m² 21,4 kg/m²
beste Gleitzahl: 30 bei 88 km/h 32
Kleinste Sinkgeschwindigkeit: 0,67 m/sec bei 65 km/h 0,60 m/sec
Erstflug:   25.02.1951

Erinnerungen von René Comte

(19.12.2008)

Im Herbst 1947 zog ich auf unbestimmte Zeit nach USA. Ich wollte dort arbeiten und als Nebenbeschäftigung

Moswey-Flugzeuge verkaufen. Georg Müller hatte große Pläne. Als Nachfolgerin der Moswey 3 hatte er die

Moswey 4 auf dem Papier (original mit 15,90 m Spannweite) und dazu neu den Doppelsitzer Moswey 6. Da

die Firma Hegetschweiler mit dem Bau der Moswey 3 Verluste gemacht hatte und keine Segelflugzeuge mehr

bauen wollte, begann Herr Müller in eigener Regie den Bau zu betreiben. Wir kamen überein, dass er mir den

Prototy der Moswey 4 als Vorführmaschine auf den Sommer 1948 nach USA senden würde, und zwar mit

gestutzten Flügeln (14,40 m Spannweite), um die Schnellflugeigenschaften zu steigern.

Leider kam es anders. Herr Müller schaffte es mangels Finanzen nicht, die Fabrikation in Schwung zu bringen

und ich wartete vergeblich auf mein Vorführflugzeug, mit dem ich an den amerikanischen Meisterschaften 1948

in Elmira teilnehmen wollte. Es war eine verpasste Chance. Ich bin sicher, dass wir damals im Zeitraum von

10 Jahren allein in den USA über 100 Mosweys hätten verkaufen können. Schade.

Als ich im Herbst 1949 in die Schweiz zurückkehrte war die Moswey-Produktion gänzlich still gelegt. Es waren wohl Teile vorhanden, Unmengen von Rippen und Beschlägen, aber kein Flugzeug in Montage. Eine Moswey 6 war fertiggestellt worden. Doch Herr Müller war nahe am Konkurs.

Mit viel Mühe wurde es möglich, eine finanzielle Lösung zu finden, wonach Herr Müller vorerst den Prototyp der Moswey 4 (mit auf 14.40 m gestutzten Flügeln) in Einzelanfertigung bis zur Weltmeisterschaft 1950 in Schweden fertigstellen würde. Es war alles sehr knapp. Ich glaube, wir konnten nur einen einzigen Probeflug machen und mussten dann raschmöglichst nach Schweden losfahren, wo alle anderen Piloten bereits tagelang am Trainieren waren.

Wir waren übernächtigt und müde und die Schweden fuhren damals noch links. So kam es wie es kommen musste: Kurz vor dem Ziel kam es zu einem Autounfall, wobei die Moswey beschädigt wurde. Die Reparatur dauerte bis zur Eröffnungsfeier.

Eigentlich unbelastete startete ich anderntags ins Rennen. An diesem ersten Wettkampftag machte ich nun

Bekanntschaft mit meinem Vogel, der mein "Haustier" werden würde.

Auf dem ersten Schenkel, unter einer einladenden Wolke, als "Pirat" Gehringer mit seiner Weihe etwa

50 m unter mir auftauchte, machte mir dies anfänglich keinen Eindruck. Als er dann aber unbeirrt immer

höher kam und mich kurz vor dem Eintauchen in die Wolke mit erhobenem Kinn außenherum überholte

und im Nebel verschwand, wurde mir klar, dass ich nicht mehr in einer Moswey 3 saß, sondern in einem

etwas schwereren und nicht ganz so handlichen Flugzeug. Neun Monate später wurde ich beruflich nach

Südafrika versetzt, wo ich bis 1958 arbeitete. Glücklicherweise konnte ich mein "Haustier" Moswey 4

mitnehmen. Ich habe dort im herrlichen Segelflugwetter manch schönen Flug erlebt.

Vor meiner Rückkehr verkaufte ich die Moseey 4 an Boet Domisse. Später kam das Flugzeug in den Besitz

einer (ich glaube deutschen) Segelfluggruppe. Dann, vor etwa 10 Jahren wurde es von Willi Fahrni (OSV)

wieder in die Schweiz gebracht, wo es schließlich von Fritz Gull übernommen und restaueriert wurde.

Heutiger Eigentümer der Moswey 4, HB-520, ist Fritz Gull (Stand: 29.11.2007).

   

                                                                               Moswey 4 im Rohbau. Ing. Georg Müller (Mitte)

                                                                               mit seinen Mitarbeitern Willi Bürki (rechts) und

                                                                               Ernst Bommer (links).

 

Georg Müller schildert die Entwicklung des Moswey 4:

"Die beiden ersten Prototypen Moswey 4 wurden von Anfang an mit 14.4 m und 15,9 m Spannweite

vorgesehen, um die Vor- und Nachteile der beiden Extreme in der Praxis abklären zu können. Zuerst

wurde derjenige mit 14.4 m fertiggestellt. Die Arbeiten gingen programmäßig vonstatten und es traten

keine Fehler von Bedeutung zutage. Obschon erste Prototype, machte alles einen so fertigen Eindruck

wie bei einer Serienmaschine. Als einzige Änderung gegenüber den Zeichnungen, musste der Sitz um

einige Zentimeter nach vorn geschoben werden. Der Einbau einer überdimensionierten elektrischen

Anlage, welche zusammen die Kleinigkeit von etwas mehr als 30 Kilo wog, ergab zusammen mit dem

ohnehin etwas überschrittenen Baugewicht, eine Vergrößerung der Flächenbelastung um fast 3 kg/m²,

also von 20 kg/m² auf 23 kg/m²."

                                  

  

Vor dem ersten Start auf Birrfeld.

 

"Das Einfliegen dieses Moswey 4 Nr. 1 (Immatr. Nr. 520) erfolgte durch den Besitzer R. Comte auf

dem Flugplatz Birrfeld. Es zeigte sich sofort, dass dieses Flugzeug die gleichen Eigenschaften hatte wie

der Doppelsitzer Moswey 6 und dass die Leistungen vorzüglich zu sein schienen. Auffällig war der

außerordentlich gute Gleitwinkel und die große Geschwindigkeit. Als einziger Nachteil wurde bei

geringer Geschwindigkeit ein Abfallen der Querruderwirkung festgestellt. Mit dieser Möglichkeit hatte

ich von Anfang an gerechnet und die Vorbereitungen für eine Änderung waren denn auch im voraus

schon getroffen worden. Dieser Verlust an Wirksamkeit war die Folge der unveränderten Übernahme

der Originalflügelspitze vom Moswey 6, was bei befriedigender Querruderwirkung buliche Vorteile

mit sich gebracht hätte."

  

 

"Leider konnten vor der Abfahrt zu den Segelflug-Weltmeisterschaften mangels Zeit keinerlei Änderungen

gemacht werden und so wurde denn diese ganz unterprobte Prototype, ohne dass Herr Comte sich darauf

hätte richtig einfliegen können ins Rennen geschickt. Leider brachte ihn in Schweden ein Transportunfall auch

noch um die schwedische Trainingswoche, sodass er ohne das geringste Training den Wettbewerb beginnen

musste. Da er bisher speziell auf den Moswey 3 trainiert war, flog er den neuen Moswey 4 in der gleichen Art,

d. h. in der Kurve viel zu langsam, sodass der Vogel mit 2 bis 3 m/sec. sank anstatt mit der richtigen Sinkge-

schwindigkeit von 0,65 m/sec.  Dass er auf diese Weise der schlechteste Kletterer war, konnte nicht verwundern

Erst gegen Ende des Wettbewerbs hatte er sich einigermaßen an die Verhältnisse seines neuen Flugzeugs ge-

wöhnt. Immerhin war sein zwölfter Rang sehr ehrenvoll, nachdem alle anderen Schweizer weit zurück lagen,

mit Ausnahme von Gehringer, der die schwedischen Verhältnisse aus eigener Erfahrung kannte. Nach der

Rückkehr hatte Herr Comte erklärt, dass er mit aller Bestimmtheit in den ersten Rängen figuriert hätte, wenn

ihm die Trainingswoche zur Verfügung geständen wäre."

Anmerkung:

Die Weihe war das überragende Flugzeug dieser Weltmeisterschaft und wurde von 13 Piloten geflogen.

Die ersten beiden Plätze wurden durch Nilsson und MacCready auf Weihe erzielt. Auch "Pirat" Gehringer

flog eine Weihe. Die anderen Schweizer Teilnehmer belegten die Ränge 19, 20, 22 und 23.