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WLM Modellbau
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Stand: 08.04.2019


Sie sind hier: Original-Oldtimerszene - WLM 2


Konstruktion Ingenieurbüro Weber / Landolf / Münch, Luzern
Erbauer Ruedi Sägesser, Segelflugzeugbau, Wildegg, Aargau
Spannweite 18,15 m
Flügelfläche 17,20 m²
Streckung 19
Wölbklappen Bis 20° nach unten und 5° nach oben
Rumpflänge 7,50 m
Rüstgewicht 270 kg
Fluggewicht

350 - 380 kg

Flächenbelastung 20,50 - 22,00 kg / m²
Maximale Beschleunigungen bei 380 kg Positives Abfangen: + 7,0 g; Negatives Abfangen: - 4,5 g
Erwartete Leistungen

Kleinste Sinkgeschwindigkeit: unter 0,60 m / sek. bei ca. 65 km / h

Beste Gleitzahl: mind. 1:33

Kleinste Fluggeschwindigkeit: ca. 54 km / h


 
Der WLM 2 ist ein freitragender Schulterdecker in Holzbauweise. Die Flügel sind in Schalenbauweise mittels 2 formverleimten Hälften erstellt. Zu Erhöhung der Drehsteifigkeit wurden die innere und die äußere Sperrholzschicht diagonal ausgerichtet. Die Mittelschicht besteht aus längslaufendem Fichtenholz. Die Hautdicke nimmt von 7,5 mm im Wurzelbereich auf 2,6 mm am Flügelende ab.
 
Auch der Rumpf wurde als Ganzschale erstellt. Die mittlere Kabinenbreite beträgt ca. 60 cm. Die Leitwerksflossen sind sperrholzbeplankt. Höhen- und Seitenruder sind mit Stoff bespannt.
 
Das Flugzeug mit der Kennung HB-562 wurde zwischenzeitlich von Frau Lilly-Annemarie Grundbacher erworben. Frau Grundbacher wohnte mehrere Jahre bei Ruedi Sägesser und hatte die Gelegenheit, ihre Oldtimer-Flugzeuge in der Werkstatt von Ruedi Instand zu setzen.

 

Ein besonderer Dank geht an Lilly-Annemarie Grundbacher, welche die nachfolgenden Bilder zur Verfügung stellte.

 

Die WLM-2 Story

- recherchiert und dokumentiert von Lilly-Annemarie Grundbacher -

© Lilly-Annemarie Grundbacher

 

Von der Idee bis zum Bau

Auftraggeber für den Bau der WLM 2 war Edi Lauber.

WLM2: 1955/56 für die WM in England gebaut

   Adolf Gehringer im Cockpit der WLM 2 und     Ruedi Sägesser

 

Der WLM 2 ist ein aus der WLM 1 modifizierter  Hochleistungssegler  mit Laminarprofil. Noch im Jahr 1953 wurde mit dem Bau der WLM 2 und der eleganten Superelfe begonnen. Beide Flugzeuge waren in der Erfolg ver-sprechenden Technik des Schalenbaus konstruiert. Der Bau der WLM 2 wurde wegen den viel gerühmten und mit unzählig  vielen Vorschuss-lorbeeren bedachten Leistungen stark forciert. Er sollte an der 1954 in Camphill, England, stattfindenden Segelflug-Weltmeisterschaften die Schweizer Farben vertreten. Für diese Konstruktion zeichnete das Büro WLM verantwortlich.

Das Ingenieurbüro Weber-Landolf-Münch (WLM) in Luzern arbeitete vorwiegend für das Flugzeugwerk Pilatus in Stans. Die Berechnungen und Zeichnungen der Schultrainer P2, P3 und des N-20-Prototyp-Jets entstanden vorwiegend im WLM- Büro in Luzern.

Aus den Erkenntnissen der WLM 1 wurde ein Segelflugzeug entwickelt, das die damals anstehenden Bedürfnisse des Leistungssegelfliegens abdecken sollte. Es erstaunt nicht, dass das WLM- Büro Bauarten und mechanische Konstruktionen, die sich beim Pilatus P2 und P3 bewährten, für die WLM übernahmen.

 

Der Bau der WLM-2

Für die Flügel der WLM2 wurde ein von der NACA entwickeltes Laminarprofil verwendet. Die Schalenbauweise (ohne

durchgehenden Holm) wurde bei der WLM 2 das erste Mal angewendet.

Der Auftraggeber, Edi Lauber, verunglückte in Samedan tödlich bei einem Flug mit dem Spatz.

Adolf Gehringer besorgte das nötige Kapital, damit Ruedi Sägesser den WLM 2 fertig bauen konnte.

Der Bau der WLM 2 stand unter enormen Zeitdruck, da Adolf Gehriger unbedingt damit an der Weltmeisterschaft in England teilnehmen wollte.

1954 wurde der WLM 2 im Birrfeld von Adolf Gehriger eingeflogen. Es stellte sich heraus, dass das Seitenruder zu wenig Steuerwirkung hatte. Ruedi musste im Winter 1954/55 das gesamte Leitwerk nach Angaben des WLM- Büros vergrößern. Es konnte aber erst nach der Weltmeisterschaft in England montiert werden.*

Im Juni 1956 war die Musterprüfung abgeschlossen.

Aufgrund der beträchtlichen Baukosten (Anmerkung: Flügel in Schalenbauweise) und des hohen Leergewichts (Anmerkung: Rüstgewicht 270 kg) blieb es beim Bau eines Flugzeugs.

*Anmerkung:

Hans Nietlispach berichtet in seinem Buch "Segelflug" im Kapitel "Winden-, Schlepp-, Gummiseile, Steuerseile

und andere Kabel" wie es "Pirat" Gehringer mit der WLM 2 bei der WM 1954 in Camphill erging. Bereits beim

ersten Windenstart riss das Windenseil und der WLM 2 krachte in eine Geröllhalde, die sich in der Mitte des

Flugplatzes befand, wobei der Schwanz der WLM abgerissen wurde. Obwohl Ruedi Sägesser mittels "Privat-

luftfracht" ein neues Teil lieferte, konnte Gehringer nicht starten, das das Seitensteuer zu klein konzipiert war und

"Pirat" keine Kurven fliegen konnte.

 

Der Lebensweg der WLM-2

1956 bis 1959 wurde die WLM-2 im Birrfeld geflogen. Halter war Nikolaus Dubs, Eigentümer Adolf Gehriger. An den

Weltmeisterschaften 1956 in St-Yan wurde das Flugzeug von Nikolaus Dubs geflogen.

Im Mai 1958 betrug das Rüstgewicht 337 kg, pro Tragfläche 105 kg.

Im Juni 1959 landete Jürg Voornveld in einem Kornfeld, das eine größere Reparatur nötig machte. Da der Verursacher als Student

schlecht bei Kasse war, durfte er die WLM 2 in der Werkstatt von Rudolf Sägesser in Wildegg reparieren. Die linke Höhenruder-

Flosse war bei der Landung abgerissen; die Leichtmetallbeschläge mussten ersetzt werden. Der Student war mit dieser anspruchs-

vollen Arbeit  überfordert, was aus den Akten zu entnehmen ist.

 

   

WLM 2 bei der Weltmeisterschaft 1956 in St. Yan, Frankreich

Erreicht wurde der 32 Rang.

 

Ende 1959 wurde die WLM 2 mit 81 Starts und 123 Stunden Flugzeit auf die SG Swissair  überschrieben. Damit flog die WLM 2

auf dem Flugplatz Spreitenbach. Im Winter 1959 / 60 wurde das Flugzeug durch die Sportgruppe der Swissair überholt. Dabei wurde

der komplette Oberflächenanstrich entfernt, die Flügel-Holzschale mit Stoff überzogen und das ganze Flugzeug neu gespritzt. Farbe

orange / weiss. Bei dieser Revision kam am linken Höhenruder ein Defekt zum Vorschein als Folge der „Voornveld –Landung“ vom

Juni 1959. Der Beschlag des Ruderantriebes war losgerissen und nur noch durch die Sperrholzabdeckung mit dem Ruder verbunden.

Am 25.5.1960 wurde von den Herren M. Weber, W. Weber und P. Kummer BAZL eine Expertise erstellt. Ruedi Sägesser musste

das Ruder reparieren.

  

 

1961 wechselte die SG Swissair zum Flugplatz Dällikon, da Spreitenbach aufgegeben wurde, 1964 zum Flugplatz Hausen

am Albis.

1966 wurden die Wölbklappen modifiziert.

Im Juli 1970 bestätigte Ruedi Sägesser eine grosse Reparatur am Leitwerk. Über die ganze Länge des rechten Höhensteuer-

Leitwerkes musste die Nasenleiste ersetzt werden. Es ist anzunehmen, dass eine erneute Aussenlandung die Ursache war.

Bis 1973 flog die WLM 2 bei der SG Swissair jedes Jahr und hatte zuletzt 407 Starts und 443 Flugstunden.

1974 kaufte Hans Reuteler die WLM 2 der Swissair ab. 1976 entschloss sich Herr Reuteler, ein Hauptrad einzubauen, wofür

einige strukturelle Änderungen  nötig waren.

 

Bis 1982 wurde die WLM 2 nicht mehr geflogen. Im Mai 1982 wog die WLM 2 insgesamt 345 kg, mit der Bemerkung,

dass 5 kg Blei anzubringen sind. Die Bremskabel-Verlegung wurde bei der Prüfung beanstandet, da es das Querrudergestänge

störte. Kurz entschlossen war das Problem mittels Ausbau des Bremskabels gelöst. Unter „Kennern“ löste die Situation ein

Schmunzeln aus: Ein Flugzeug mit Bremstrommel ohne Betätigungsmechanik.

Von 1982 bis 1984 wurden lediglich 14 Starts und 13 Flugstunden aufgeschrieben.

1990 wurden die HB FWWU, die Wouden Worm Fleyer Union (René Gutknecht, Erhard Hunziker und Roman Sommerhalder)

Eigentümer und Halter de WLM 2.

Im August 1994 kaufte Albert Uster die WLM 2. In den technischen Akten steht unter 1995: Flugzeug außer Betrieb.

Im Juni 1999 brachte die WLM 2 360 kg auf die Waage!

Ruedi und Hilda Saegesser vor der restaurierten WLM 2

Albert Uster flog die WLM 2 zwischen 1998 bis 2002 bei 53 Flugzeugschlepps 54 Flugstunden. Albert flog diese Jahre

in Saanen beim Sommerlager der Züricher Segelflieger. Gut in Erinnerung bleibt mir das Oldtimertreffen in Asiago im Juni

2002, wo wir im gleichen Aufwind kreisten.

Die Jahre vor- und nachher blieb das Flugzeug am Boden. Anfangs Januar 2004 wurde Lilly-Annemarie Grundbacher

Eigentümerin der WLM 2. Lilly wollte mit dem WLM 2 an Ruedis Geburtstagfeier auf dem Belpberg am 13. März 2004

eine Flugvorführung machen.Es stellte sich jedoch heraus, dass der momentane Zustand des Flugzeuges zuerst eine

Totalrevision benötigt.

 

 

Die WLM 2, HB-562, "landet" in der ehemaligen Werk-

statt von Ruedi Sägesser in Thörigen.

Ruedi begutachtet den Zustand "seiner" geliebten WLM 2.

 

 

Gewöhnungsbedürftige Lackierung.

Die WLM 2 befindet sich zwischenzeitlich in der Werkstatt

von Lilly-Annemarie Grundbacher in Grandfontaine. Sie soll hier komplett überholt und neu bespannt werden. Das Hai-

fischmaul wurde bereits abgeschliffen.

Der Farbenmix - weißer Rumpf mit rotem Haifischmaul, Flächen in orange - wird beseitigt. Angestrebt wird eine

Original-Lackierung in beige.

Detailaufnahmen

 

 

 

Die WLM 2 ist bei Lilly-Annemarie Grundbacher in Grandfontaine angekommen.

Das Haifischmaul wurde bereits entfernt.